Einfach nur ein Bericht… verbunden mit einer Bitte

Standard

….der letzten Wochen.

Anfang Juni, Hilferuf eines Paares. Beide sind erkrankt und können ihrem Hund keinen Auslauf bieten. Seit Monaten sind sie auf die Hilfe von Freunden und Bekannten angewiesen, damit der Hund ein Mindestmaß an Bewegung bekommt. Das klappt eine Zeit ganz gut, aber immer öfter erhalten sie Absagen oder werden einfach versetzt. Das zehrt an den Kräften, die aber dringend zur Bewältigung der Erkrankung benötigt werden.

Ich habe die Besitzer und Hund besucht, um sie kennenzulernen. Und ich treffe auf sehr liebevolle Menschen mit einem tollen Hund. Wenn ich nicht wüsste, wie heikel die Situation ist, hätte ich nach Käse-Sahne-Torte gefragt. Und ich lerne, wie viel Fassung und Würde ein Mensch hervorbringen kann.
Schröder mit GeschirrSchröder in Spiellaune

Wir haben ca. 14 Tage wirklich alles versucht, um eine gute Lösung zu finden und ein tolles Angebot bekommen. Hätte aber für die hilfsbereite Tierfreundin täglich mehr als 120km Kilometer bedeutet und das war dann doch einfach zu viel. Aber dieses Angebot hat uns natürlich sehr gefreut, so viel Hilfsbereitschaft hat man ja nicht allzu oft.

Wir haben dann aber eine andere, hervorragende Lösung gefunden und Schröder, so heisst dieser wunderbare Hund, vorübergehend bei einem noch wunderbareren Menschen untergebracht. Peter, an dieser Stelle kann ich es ja mal so sagen: Ich finde Dich einfach klasse. Und die Pralinen bekommst Du noch :-).

Was ihr auf dem oberen Foto von Schröder seht, ist ein spezielles Fluchtgeschirr (oder besser ein Anti-Fluchtgeschirr). Damit werden all‘ unsere Hunde ausgestattet. Wir hören und lesen täglich mehrfach von entlaufenen Hunden und haben uns daher entschlossen, für jeden Hund in unserer Obhut ein solches Geschirr anzuschaffen. Diese speziellen Geschirre sind von hervorragender Qualität, die aber auch ihren Preis hat. Ca. € 70,00 bezahlen wir dafür. Und wir haben uns einige davon auf Vorrat zugelegt, um für alle Fälle gewappnet zu sein. Nichts wäre schlimmer, als einen entlaufenen Hund zu melden, der sich aus seinem normalen Geschirr gewunden hat.

Das Herrchen von Schröder ist am 14. Juli verstorben. Einerseits fast schon erwartungsgemäß, andererseits dann doch wieder sehr plötzlich. Bis zur letzten Sekunde galten seine Gedanken seinem geliebten Hund Schröder. Wir sind sehr froh, dass wir ihm zumindest diese Sorge abnehmen konnten. Und wir haben großen Respekt vor diesem Paar, dass sich trotz aller Probleme so ehrlich und aufrichtig um ihren Hund gesorgt hat, obwohl sie Beide über alle Maßen mit sich und ihren heftigen Erkrankungen befasst waren.

Seine Frau (Witwe kommt mir noch sehr schwer über die Tastatur) kann Schröder auch nicht wieder zu sich nehmen, auch wenn er natürlich ein liebevolles Andenken an ihren Mann wäre. So hat sie sich entschlossen, Schröder dort zu lassen, wo er in den letzten Wochen war. Und nun sind Schröder und Peter ein Team, das sich schon sehr aneinander gewöhnt hat. Hier von einem alten Ehepaar zu sprechen wäre sicher leicht übertrieben, aber die beiden sind schon ziemlich gut aufeinander eingespielt. Und so soll das auch bleiben. Selbstverständlich sind wir im Kontakt, im engen Kontakt sogar. Quasi täglich 🙂

Dann, Ende Juni, Hilferuf einer Dame. Am Telefon berichtet sie vom bevorstehenden Krankenhausaufenthalt für geplante 4 Wochen. Ihre kleine Hündin muss für diese Zeit untergebracht werden, sie hat niemanden, der das Hündchen aufnehmen möchte.

Wir begreifen den Ernst der Lage und wenn ich jetzt sage es ist ernst, dann ist das wirklich enorm untertrieben. Nach ungefähr 30 geführten Telefonaten mit der Besitzerin innerhalb von 2 Tagen wissen wir, hier ist Handlungsbedarf. Wir telefonieren unsere Kontakte ab. Halt – falsch. Hier kommen eigentlich nur 2 Kontakte in Frage, die helfen können. Schon beim ersten Kontakt wissen wir, wir müssen nicht weiter telefonieren, ein Platz für das kleine Hundemädchen ist gefunden.

Luna, so heisst das kleine Dackelmädchen, wird dann Ende Juni bei der Dame abgeholt. Und was wir dort erleben, übertrifft unsere bisherigen Erfahrungen, die beileibe bisher nicht immer nur rosarot und himmelblau sind, um ein Vielfaches. Die Wohnung ist in einem Zustand, den wir nicht näher beschreiben möchten. Um die Fantasie etwas anzuschubsen – Luna war wohl schon länger nicht mehr vor der Tür um das zu erledigen, was ein Hund normalerweise auf der Strasse, im Gebüsch, auf der Wiese so macht. So sah es dort aus, so roch es dort. Luna selbst ist in einem erbarmungswürdigen Zustand. Unter dem verfilzten Fell hat sich die Haut entzündet, große, eitrige Stellen kommen ans Tageslicht. Der ganze Hund ist völlig verklebt von Urin und Kot, sie stinkt zum Gotterbarmen. Wir nehmen Luna mit, nicht ohne der Dame zu versprechen, uns gut um ihr Tier zu kümmern

Dann wird Luna erst einmal gebadet. Einmal reicht da leider nicht, aber nach 2 gründlichen Behandlungen mit Shampoo ist ihr Fell zumindest sauber und sie stinkt nicht mehr so furchtbar. Am nächsten Tag sofort ab zum Tierarzt, leider ist das nur die Vertretung des vertrauten Tierarztes. Er ist nicht so erschüttert wie wir, klar, er sieht wahrscheinlich wesentlich öfter wesentlich Schlimmeres. Fest steht – Luna muss geschoren werden. Ein herzliches Dankeschön an Martina Ellenbeck von Tuckers Hundesalon in Düsseldorf. Sie hat uns sofort sofort ihre Hilfe angeboten und die kleine Luna sehr liebevoll zumindest fellmässig wieder in Form gebracht hat. Martina hat nicht nur ein Herz für Hunde, sondern auch für uns – sie berechnet uns nichts, obwohl die Fellpflege von Luna sehr zeitaufwändig war. Danke Martina – Du bist einfach grossartig.

Luna offener Rücken 2Luna offener Rücken Juli 2015 Boden in Lunas Zuhause

Luna nach dem Fellpflege-Termin:

Luna nach Friseur

Was ich noch gar nicht erwähnt habe – die kleine Luna, eine Rauhaardackelhündin, bringt stolze 13,7kg auf die Waage. Salopp gesagt – breit wie hoch. Unsere Daphne, doppelt so hoch wie ein Rauhaardackel, wiegt 13kg und manchmal denke ich, sie ist schon ein bisschen moppelig. Nun übertragt das mal auf einen Rauhaardackel und ihr könnt euch vorstellen, wie dieser kleine Hund durch die Gegend robbt.

Nach wenigen Tagen fällt auf, dass Luna ziemlich viel Blut im Urin hat. Die Besitzerin hat das in einem Nebensatz erwähnt, aber eigentlich sollte das ausgeheilt sein. Trugschluss.

Wir haben uns dann entschlossen, den Tierarzt zu konsultieren, den auch die Besitzerin bisher in Anspruch genommen hat. Immerhin eine Entfernung von 80km für die einfache Strecke, aber wir wollen genaueres über Lunas Vorgeschichte wissen. Glaubt mir, es ist nicht schön, was diese kleine Dackeline bisher mitgemacht hat.

Dann haben wir uns beraten. Es ist unangenehm, aber wir waren einhellig der Meinung, hier muss der zuständige Amtsveterinär eingeschaltet werden. Bitte richtig verstehen – wir haben erkannt, dass Lunas Frauchen nicht in der Lage ist, sich selbst zu versorgen, geschweige den Hund. Wir sind Lichtjahre davon entfernt, Vorwürfe zu erheben. Lunas Frauchen wurde vor vielen vielen Jahren überfallen und ihr wurde Gewalt angetan. Seit mehr als 10 Jahren versucht sie, dieses brutale Erlebnis zu verarbeiten. Erfolglos. Wir gehen nicht leichtfertig damit um und sind alle tief betroffen. Die Besitzerin von Luna ist noch relativ jung. Sie hatte ganz sicher mal ein unbeschwertes, fröhliches Leben. Seit diesem Überfall nicht mehr. Grausam ist das.

Zurück zu Luna. Der AmtsVet reagiert sehr schnell und ohne Umschweife. Er besucht das Frauchen von Luna, am nächsten Tag telefonieren wir mit ihm. Ich gebe das Telefonat aus dem Gedächtnis wieder: Ach, der Zustand der Wohnung ist doch gar nicht so schlimm. Auf einer Skala von 1 bis 10 ist das höchstens eine 5. Ich sage ihnen gerne Bescheid, wenn ich in eine 10+ Wohnung gehe, dann können sie gerne mitkommen.

Jeder, der mich kennt weiss, dass ich selten sprachlos bin, aber jetzt bin ich es. Das Zuhause von Luna, voll mit seit Monaten eingetrocknetem Hundeurin und Kot, das völlige Chaos, Unordnung, der Gestank – das ist eine 5 auf der Skala? Ich fühle mich schon schlecht, wenn wir Besuch bekommen und Hundehaare und Spielzeug überall rumfliegt oder mir einfällt, das ich den Wassernapf nach 10 Stunden noch nicht ausgespült und frisches Wasser eingefüllt habe. Schockschwerenot – was erleben die Amtsveterinäre? Ich glaube, ich will das gar nicht wissen.

Frauchen ist mittlerweile aus dem Krankenhaus zurück. Luna ist noch bei uns, das wird wohl noch eine Weile so bleiben. Aber ihr geht es gut, sie fühlt sich wohl, speckt ab, aber ihre gesundheitlichen Probleme sind groß. Tierarztbesuche, Medikamente, Spezialfutter sind erforderlich und werden es auch noch lange bleiben. Lunas Frauchen kann das nicht bezahlen, sie ist in der Privatinsolvenz.

Unsere Sorgen sind auch groß. Luna und Schröder seien nur jetzt erwähnt, ich könnte die Liste nicht endlos weiterführen, so viel schaffen wir nicht. Aber doch um viele, viele Tiere ergänzen, für die wir uns einsetzen, die wir betreuen, für die wir uns verantwortlich fühlen und um die wir uns kümmern. Und für die wir Behandlungen und Futter bezahlen. Da sei kurz HaGe erwähnt, der gerade eine umfangreiche Zahnsanierung bekommen hat, damit er wieder kraftvoll zubeissen kann. Ihn haben wir aus einem deutschen Tierheim übernommen, er wäre sonst „vor die Hunde gegangen“. Oder Bogi, eine alte Schäferhunddame, zwar noch recht fit, aber dennoch behandlungsbedürftig mit ihrer schweren HD. Oder der kleine King Charles Spaniel Ben, der erst einmal aufgepäppelt werden muss. Sein Frauchen ist gestorben, er hat niemanden, der sich um ihn kümmert. In seinem kleinen Mäulchen stehen nur noch verfaulte Stummel, auch er benötigt eine umfangreiche Zahnsanierung. Oder der alte Schäferhund Shawn, ebenfalls mit einer sehr ausgeprägten HD ausgestattet und kostenintensiv. Und die vielen, vielen anderen, hier jetzt (noch) nicht erwähnten, die uns am Herzen liegen und für die wir Verantwortung übernommen haben.

Auf dem Foto Luna und Ben – zwei alte, ziemlich verlorene Seelen, die sich zusammengetan haben.

Luna und Ben 2 verlorene Seelen

Und was manchmal in Vergessenheit gerät, wenn ich von meiner Tierschutzarbeit erzähle – hinter jedem Tier, um das wir uns kümmern, steht ein Mensch. Mit seinem Schicksal, mit seinem Kummer, mit seinen Sorgen. Die dann, ob wir wollen oder nicht, auch zu unserem Kummer und unseren Sorgen werden. Wir helfen nicht nur den Tieren, sondern auch den Menschen.

Aber auch wir brauchen Hilfe, damit wir weiterhelfen können. Futterspenden, Leinen, Halsbänder, Handtücher, Decken. Und wir brauchen Geld. So blöde, wie sich das jetzt liest, aber ohne Geld können wir keine Tierarztrechnungen bezahlen, kein spezielles Futter kaufen, nicht so helfen, wie es erforderlich ist.

Daher bitten wir um Hilfe. Sachspenden holen ich gerne ab. Und solltet ihr mit einem finanziellen Beitrag helfen wollen, einmalig oder als Dauerauftrag, sind wir froh und glücklich, denn nur so können wir helfen.

Das ist jetzt ein langer Text geworden. Ich hoffe, nicht zu lang. Aber mir liegt das Thema sehr am Herzen und daher bin ich gelegentlich etwas ausschweifend. Seht es mir bitte nach.

Ich muss jetzt auch aufhören, gerade kommt ein neuer Notruf ein, eine Hündin aus dem Raum Münsterland. Sie muss sofort weg, es geht nicht mehr, die Familie ist mit 3 kleinen Kindern, einem lebhaften Hund, neuem Job ab nächster Woche völlig überfordert. Der Hund kann nichts dazu. Wird aber Opfer oder besser gesagt ist es schon. Ach….

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.